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Können Katzen kleine Engel sein?
von Irene Teubner
Auch wenn zu dieser Jahreszeit, dem schon heiß ersehnten, kommenden Frühling, sicherlich keiner an das letzte oder bevorstehende Weihnachtsfest denkt, so möchte ich Ihnen doch einen kleinen Einblick geben in das, was uns zum Jahresende immer so viel Spaß macht ...
Geschafft. Der letzte Tag im Betrieb vor den Weihnachtsferien. Ich sitze noch mit meinen Kolleginnen und Kollegen zusammen und wir lamentieren über Gott und die Welt und darüber, was wir an Weihnachten machen und wie unsere Weihnachtsbäume zuhause aussehen. Jeder übertrifft natürlich den anderen. Der eine schmückt die grünen Nadeln komplett mit roten Christbaumkugeln aus Glas, der andere hängt teure Jahres-Editions-Porzellanglocken an.
Als ich an die Reihe komme und sage, dass ich ihn mit kleinen Holzfigürchen und selbstgebastelten Strohsternen schmücke, lachen mich alle aus: " Ha, du und Weihnachtsbaum. Du hast doch Katzen; am besten malst du dir einen! Ein Baum bei dir zuhause geht doch nie und nimmer gut! "
Ich lache, bin mir aber nicht wirklich sicher, ob ich das Vorhaben Weihnachtsbaum auch ausführen soll. Was, wenn die Miezen tatsächlich den Weihnachtsbaum stürmen? Wenn er umfällt und gleich noch das Aquarium mitreißt oder gar auf den Kaminofen fällt? Aber ich habe keine Chance, denn der Baum steht schon zuhause im Hof und wartet auf seinen Einsatz.
Als ich nach Hause fahre, setzt ein leichtes Schneetreiben ein und ich freue mich auf ein gemütliches, beschauliches Weihnachtsfest mit meinem Mann und unserem Viechzeug. Die ganze Familie daheim. Schön wird's werden. Gestern habe ich schon den Christbaumschmuck aus dem Keller geholt.
Na ja, aber nun kann es endlich Weihnachten werden. Eigentlich hoffe ich ja sogar, dass die Miezen in den Baum klettern oder zumindest versuchen, irgendetwas davon abzuräumen - sonst wären es ja keine richtigen Katzen ... Schließlich sollen sie ja auch ein bisschen was vom Weihnachtsfest haben.
Vielleicht kann man es ja so beeinflussen, dass sie Ronald und mich unterhalten, ohne dass etwas zu Bruch geht. Wenn nur ein paar mehr Tannennadeln aufzukehren sind oder die Weihnachtsfigürchen wieder an den Baum gehängt werden müssen; mein Gott, was soll's. Bleibt man wenigstens in Bewegung, was an diesen "schlemmerintensiven" Tagen ja nicht unbedingt das Schlechteste ist.
Es geht los: mein Mann holt den Tannenbaum, der mittlerweile kleine Schneepölsterchen auf seinen Zweigen hat, in das trockene, warme Wohnzimmer. Sofort sind wir von blitzenden, großen, bernsteinfarbenen oder grünen Augen umzingelt. Es wird geschnüffelt was das Zeug hält und Bruce, Hexe, Roma Dragonfly und Eisbär sind als erstes unter dem noch liegenden Baum verschwunden und lugen mit ihren eulenartigen Augen aus den diversen Lücken hervor. Einstein, der leider taube, weiße Kater, zieht den Tannenbaum seinem Kratzbaum vor; Tabaluga. unser dreibeiniges Schlitzohr, hat scheinbar Hunger...
Ich male mir schon aus, dass wir das Weihnachtsfest mehr oder weniger beim Tierarzt verbringen werden wenn die verschluckten Tannennadeln ihr Unheil im Kater anrichten...
Das kann ja alles heiter werden. Cleo, die kleine schwarze Maus in Katzengestalt sieht dem Treiben aus sicherer Entfernung auf dem Sofa zu. Also gut: mit vereinten Kräften stellen wir den Baum auf und versuchen, den Stamm in den Christbaumständer zu zwängen. Klappt natürlich nicht. Meine bessere Hälfte rennt in die Küche, um mit einem meiner guten Küchenmesser den Umfang Stammes zu reduzieren. Als ich das sehe, fange ich an zu toben und der Streit ist im Gange.
"Wie soll es denn sonst gehen? Dann mach's halt selber!" brüllt mir meine sonst so ausgeglichene, bessere Hälfte ins Gesicht.
Ich werde ganz klein, weil ich wirklich nicht weiß, wie ich es machen soll. Also bin ich brav, hole die Plätzchendose- zugegebenermaßen habe nicht ich sondern meine Lieblingskollegin "s´goldisch Margitsche" diese Meisterwerke gebacken - aus der Küche und halte sie dem Brummbär an meiner Seite hin. Er ist wieder versöhnt.
In der Zwischenzeit vergnügen sich sämtliche 47 Katzenbeine im Tannenbaum. Letztendlich schaffen wir es doch, den Baum in den Ständer zu stellen und nun kommt die schönste "'Arbeit"; das Schmücken.
Als erstes kommt die Lichterkette, die für unseren Tabaluga aber scheinbar ein riesengroßer Feind ist, der bekämpft werden muss. Er schmeißt sich auf das grüne Kabel, beißt hinein, nimmt es mit den Pfoten hoch und sieht bald aus wie ein Rollbraten, weil er sich total in der Lichterkette verwurschtelt hat. Da mein Mann und ich Tierschützer sind, befreien wir den Kater bald aus seiner misslichen Lage obwohl wir - zugegebenermaßen - einen Moment lang überlegen, dass es vielleicht besser wäre ihn so verpackt zu wissen, damit er nicht noch mehr Unfug machen kann.
Nachdem wir dann doch noch die Lichterkette angebracht haben geht es weiter mit den Christbaumkugeln: dunkelrot mit glitzernden, glänzenden, goldenen Fäden durchwirkt. Den Miezies gefallen diese Kugeln auch. Roma macht einen Riesensatz in den Baum, erwischt eine, reißt sie vom Ast und rutscht am Baum wieder runter- nicht ohne drei weitere Kugeln, die "im Weg" sind, mitzunehmen. Männe und ich lassen einen Brüller los und verschlucken uns gleichzeitig vor Lachen, weil Roma, stolz wie ein Zirkuspferd, die Kugel am Aufhänger durch's Treppenhaus schleift.
Also gut. Lassen wir sie einmal ihre Runde drehen. Allerdings ist sie aufs höchste empört und beleidigt, als wir ihr die Kugel doch wegnehmen. Diesen Fauxpas können wir nur mit einem Stückchen Käse wiedergutmachen.
Nachdem wir den Baum dann ohne weitere Zwischenfälle - allerdings unter strengster , Beobachtung - fertig geschmückt haben, genießen wir unser frisch getanes Werk und warten auf die ersten Übergriffe auf bzw. in den Tannenbaum seitens der Miezen. Aber nichts tut sich. Wir sind enttäuscht. Cleo schläft mittlerweile fest auf dem Sofa, Einstein auf seinem Lieblingsplatz auf dem Wohnzimmerschrank, Hexe in ihrem Körbchen neben dem Ofen, Bruce im Holztrageeimer, Roma schnarcht leise auf dem Sofa vor sich hin, Fly und Eisbär lugen aus der Pappkiste hervor, die vom letzten Einkauf noch im Wohnzimmer steht und Tabaluga hat seinen Stammplatz vor dem Kühlschrank in der Küche bezogen... Der Rest der Herrschaften geht mehr oder weniger intensiv der Katzenwäsche nach. Aber was soll's, das Weihnachtsfest liegt ja nun direkt vor uns.
Als wir am nächsten Morgen aus dem Schlafzimmer ins Wohnzimmer kommen sind wir erstaunt: Es hängen noch alle Kugeln im Baum, die Strohsterne sind noch alle an ihrem Platz und auch die Lichterkette hat nicht gelitten. Tja, die Miezen sind heutzutage auch nicht mehr, was sie mal waren ...
Die Bescherung wird dann mit glänzenden Augen betrachtet: buntes, raschelndes Papier, das wir natürlich nicht gleich sofort wegwerfen, wird zum Tummelplatz. Angriff und Verteidigung - der Feind ist irgendwo im Papier. Bruce verfängt sich mit seinem langen Schwanz im Geschenkbändchen und rennt wie vom Affen gebissen durch's Haus. Die restlichen Miezen komplett hinterher, weil das Bändchen so schön auf und ab hüpft. Wir haben Mühe, den Kater einzufangen und ihn von seinem Anhängsel zu befreien. Als wir es dann schließlich doch geschafft haben, sind dieses Mal die kleinen Satansbraten in Katzengestalt enttäuscht - war das doch ein schönes Spiel.
Aber auch die Miezies bekommen Geschenke: kleine Jutesäckchen mit Catnip gefüllt und sogar weihnachtlich verpackt. Da unsere Katzen alle Katzenminzeabhängig sind, hält die Verpackung natürlich nicht lange und nach kurzer Zeit lesen wir hunderte kleine Schnipsel vom Boden auf. Aber auch nachdem sich die Miezen von ihrem Cat-Nip-Rausch erholt haben, lassen die den Weihnachtsbaum in Frieden. Sie werden doch wohl nicht krank sein?
Als ich am nächsten Morgen recht früh aufstehe und vom Treppenhaus ins Wohnzimmer schaue, sehe ich, wie sich die Herrschaften abwechseln: mit glänzenden, großen Augen sehen sie sich die leuchtenden Lichtchen an und "spielen" ganz vorsichtig mit den roten Christbaumkugeln ... Ich will nicht stören und kauere mich im Treppenhaus nieder. Nach 10 Minuten des Zusehens bekomme ich dann kalte Füße und störe die kleinen Engelchen in Katzengestalt. Sie laufen schnell auseinander und tun so, als sei nichts gewesen... Schließlich wäre es ja furchtbar, den Erwartungen eines Menschen entsprochen zu haben, ist man ja schließlich ganz Katze und macht nie, was der Mensch von einem will.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen und Ihren vierbeinigen Lieblingen zukünftig immer schöne, geruhsame und fröhliche Weihnachtsfeste.
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