Die Maine Coon
Um die Herkunft der Maine Coon ranken sich viele Legenden und
letztendlich wird wohl nie sicher geklärt werden können, wo die Maine
Coons hergekommen bzw. „entstanden“ sind. Sicher ist aber, dass sie
ihren Ursprung im Nordosten Amerikas hat. Doch wie ist sie dort hin
gekommen?
Die Legende mit der Verpaarung von normalen, verwilderten Hauskatzen mit
Waschbären (raCOON) ist natürlich genetisch völlig unmöglich; wird aber
immer wieder gerne erzählt - denn, was ist schon eine Welt ohne
Phantasie?
Wahrscheinlicher ist es, dass ein gewisser „Captain Coon“, seineszeichen
rauhbeiniger Seemann, langhaarige Katzen mit über den großen Teich nach
Amerika brachte. Auf dem Schiff taten sie ihre Dienste, in dem sie Mäuse
und Ratten aus den Voratskammern fern hielten und an Land entwickelten
sie sich im Laufe der Zeit und dem rauhen Klima entsprechend zu diesen
beliebten Naturburschen mit dem dichten, warmem, wasserabweisendem Fell
und den Fellbüscheln zwischen den Pfoten. Da es aber auch in
Nordamerika, Skandinavien und Sibirien ähnliche „Wald“Katzen gibt, liegt
allerdings auch die Vermutung nahe, dass Wikinger unsere heutigen
Lieblinge schon in Verbindung mit ihren schlimmen Raubzügen nach Europa
bzw. lange vor Kolumbus nach Amerika gebracht haben.
Eine Variante bzw. Theorie, die mir persönlich gefallen würde, weil ich
ein riesengroßer Schottland-Fan bin, ist folgende, die allerdings nicht
allzu ernst genommen werden sollte:
Was spräche dagegen, wenn Wikinger zur Zeit der Pikten und Scoten, in
das Land Caledonia (Schottland) mit ihren Raubzügen auch Katzen
(Vikingkatzen) mitgebracht hätten? Auch bei diesen rauhen Herrschaften
gab es sicherlich Mäuse und Ratten, derer sie Herr werden mussten. Im
heutigen Schottland gibt es einen Landstrich, die ehemalige piktische
Provinz, die sich „Caithness“ (gälisch = Tal der wilden Katzen) , oder
auch die „Grafschaft der Katze“‚ (Cat-Ness)nennt.
Dieses wunderschöne
Stück Land liegt im Norden Schottlands und gehört zum Clan der
Sutherlands, die das fauchende Wappentier in ihrem Clan Crest haben,
zusammen mit dem Motto „Sans Peur“ (= ohne Angst). Eine kahle,
unwirtschaftliche Landschaft, durchzogen von großen, endlosen
Hochmooren. Diese Einöde und grandiose sowie zeitlose Schönheit
beschrieb der Sohn eines Küstenschiffers aus dem Fischerdorf Dunbeath
als Schriftsteller in seinem ersten Roman „The Grey Coast“ (1926)
folgendermaßen:
„You walk out on Caithness, and at once experience an austerity in the
flat, clean wind-swept lands that affects the mind almost with a sense
of shock. There is something more in it than contrast. It is a movement
of the spirit that finds in the austerity, because strength is there
also, a final serenity. I know of no other landscape in Scotland that
achieves his harmony, that, in the very moment of purging the mind of
its dramatic grandeur, leaves it free and ennobled.“
Aber auch andere Clans tragen die Katze in ihrem Clan Crest, als da
wären die Clans MacBean („Touch not the Cat bot a Targe“) , die Familien
Cameron und Connor mit dem gemeinsamen Motto „Touch not this Cat“ sowie
die Clans MacKintosh und MacPherson mit „Touch not the Cat bot a
glove“. Warum sollten also all diese Clans als Wappentier die Katze
wählen, die auch, was aus den Mottos hervorgeht, wohl nicht gerade vor
dem Kamin schlafende, liebe Miezekätzchen waren?
Ich stelle mir vor, dass unsere heutigen Lieblinge in dieser Zeit - von
den Pikten bis ins 18. Jahrhundert zumindest einen Teil ihrer
Entwicklung „hingelegt“ haben könnten. Warum ausgerechnet das 18.
Jahrhundert, werden Sie sich nun zu Recht fragen. Moment - dazu komme
ich gleich, Geschichte braucht nun mal ihre Zeit ... Ich muss ein
bisschen ausholen und begebe mich mit Ihnen auf eine Reise in das Jahr
1746:
Am 16. April 1746 fand die große Schlacht auf dem Culloden Moor statt,
bei der rund fünftausend Jakobiter unter Charles Edward Stuart (Bonnie
Price Charlie) einer beinahe doppelt so großen Übermacht britischer
Regierungstruppen gegenüberstanden. Diese Truppen waren natürlich gut
ausgeruht - im Gegensatz zu den Highlandern, die nach einem langen
Marsch völlig entkräftet und hungrig waren - und vor allem gut
ausgerüstet, wie es sich eben für Berufssoldaten „gehörte“. Es kämpften
also wilde Highlander in Kilt und Kniestrümpfen, mit Rundschild und
Säbel gegen disziplinierte Regierungstruppen mit Bajonetten, in roten
Röcken („Rotröcke“) und weißen Gamaschen. Wer dieses Gemetzel gewonnen
hat, kann wohl sicherlich jeder beim ersten Versuch erraten. Nach einer
halben Stunde bereits hatte der Duke of Cumberland mit seinen Mannen die
Schlacht entschieden. Das, was nach dieser Schlacht geschah, brachte dem
Duke of Cumberland den Beinamen „The Butcher“ (Der Schlächter) ein. Denn
nicht nur, dass er verletzten und sterbenden Highlandern jede ärztliche
Hilfe verweigerte, gab er sogar den Befehl, keinen zu schonen. Im
Gegenteil: Jeder Highlander, der noch einen Funken Leben in sich zeigte,
verlor nicht in der Schlacht und in Ehren sein Leben sondern wurde
einfach niedergemetzelt. Jeder der floh, sogar völlig unbeteiligte,
Frauen und Kinder, erlitten das gleiche Schicksal. Prince Charles Edward
Stuart entkam übrigens nach einer fünfmonatigen, abenteuerlichen Flucht,
nach Frankreich. Mit dem nachfolgenden Gesetz vom 1746 wurde das Tragen
der Hochlandtracht, der Clan-Kennzeichen (Clan-Crests) und aller Waffen
verboten, zu denen auch der Dudelsack gehörte. Katholiken (Jakobiter)
wurden von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Später wurde dann
sogar die schottische Erbgerichtsbarkeit abgeschafft und damit wurde das
Clan-System zerschlagen.
So, und jetzt komme ich - nach einem Ausflug in die faszinierende
schottische Geschichte - auf den Punkt: Nach diesem Gemetzel auf dem
Culloden Moor und der danach erlassenen Gesetze die ein traditionelles,
schottisches Familienleben praktisch ausradierten, emigrierten viele
Schotten in dieser Zeit vorwiegend nach Amerika und in den Rest der
Welt. Wer sollte sie davon abgehalten haben, auch ihre vierbeinigen
Hausgenossen mit auf‘s Schiff und in die neue Welt zu nehmen? Auch in
der neuen Welt gab - und gibt es heute noch - Mäuse.
Bei den Farmern war der robuste Mäusefänger dann sehr beliebt und im
Jahr 1861 wurde die Maine Coon namentlich erstmals in der Literatur
erwähnt. Im Jahr 1895 gewann dann eine Maine Coon den Titel der „Best
Cat“ bei einer großen Katzenausstellung im New Yorker Madison Square
Garden.
Maine Coon Katzen sind von Herzen natürlich, gutmütig und einfach schön.
Wer einmal mit diesen wunderbaren Geschöpfen zu tun hatte, wird süchtig
nach ihnen. Sie sind bodenständig, eigenwillig, trotzdem verschmust - im
Bett zu schlafen lieben sie trotz ihrer rauhen Vergangenheit -; sie sind
menschenbezogen und bestechen durch ihre eulenhaften, neugierigen und
schönen Augen, ihren freundlichen und lebhaften Charakter sowie ihr
zartes Stimmchen. Der Kopf ist relativ lang und breit; zur Schnauze hin
kantig. Hohe Wangenknochen, ein festes Kinn, das geradlinig mit
Oberlippe und Nasenspitze abschließt gehört zu ihr sowie eine
mittellange Nase mit leicht konkavem Profil. Die Ohren sind groß
(erinnern manchmal ein wenig an Fledermäuse), breit an der Basis und
spitz zulaufend.
Das Fell ist an Kopf und Schultern kurz, auf dem Rücken und an den
Seiten länger. Die Miezen haben ein langes Bauchfell und buschige
„Hosen“ an den Hinterbeinen. Eine reiche Halskrause an Hals und Brust
ist erwünscht. Das Fell neigt nicht zum Verfilzen, wenn doch auch
empfehlenswert ist, wöchentlich wenigstens ein mal zum Kamm zu greifen,
um Verfilzungen von vorneherein vorzubeugen - vor allem beim
Fellwechsel.
Die Maine Coon gehört zu den größten Rassekatzen; Kater wiegen bis zu
neun Kilo, Mädchen zwischen drei und sechs Kilo. Bis die Herrschaften
ausgewachsen sind, können bis zu vier Jahre ins Land gehen. Aber
Achtung: nicht die größte Maine Coon ist auch die schönste Maine Coon!
Typvoll sollte sie sein. Der Körperbau ist muskulös mit breiter Brust,
langgestreckt und erscheint rechteckig. Beine und Pfoten sind kräftig,
wobei die Pfoten Haarbüschel zwischen den Zehen aufweisen. Der Schwanz
ist lang und dick und an der Basis spitz zulaufend mit langem,
fließendem Haar.
Maine Coons werden in allen Farben gezüchtet - nur Masken haben in
dieser naturbelassenen Rasse nichts verloren.
Und nun habe ich zu diesen wunderschönen Tieren nichts mehr
hinzuzusetzen außer: mein Mann und ich sind ihnen verfallen...
Ich hoffe, Sie hatten ein bisschen Spaß an diesen Ausführungen und wenn
auch die Herkunftsgeschichte nicht allzu ernst genommen werden sollte -
der Rassestandard ist keine Phantasterei.
P.S.: Nach diesem kleinen Ausflug in einen kleinen (aber bedeutsamen) Teil der schottischen Geschichte Lust auf Schottland bekommen? Neugierig geworden? Dem kann man nachhelfen. Es gibt mittlerweile einiges an Büchern in deutscher Sprache, teils rein wissenschaftlich recherchiert (z.B. über die Highlander, Die Borderer, Bannockburn, die Stuarts usw.), teils in Romanform aber mit historischen Fakten versponnen, wie z.B. „Der Stein der Kelten“ und „Schwert und Krone“ von Michael Phillips oder z.B. die Bücher von Diana Gabaldon. Oder aber schauen Sie sich die Homepage des Club Claymore, dem Club für schottische Geschichte in Deutschland, unter www.wolfrhine.de, an. Es lohnt sich!
Inhaltsangabe: Der Stein der Kelten
Michael Phillips

Der Stein der Kelten
Eine ungewöhnliche Schottlandsaga
für alle Freunde von Diana Gabaldon,
teils Thriller, teils historischer Roman
Großbritannien heute: Am Vorabend der Ernennung des neuen Königs wird der Stein der Kelten gestohlen, der Stein, auf dem die britischen Monarchen seit Jahrhunderten gekrönt werden. Stecken schottische Separatisten hinter dem Diebstahl? Andrew Trentham, ein junger Parlamentarier, wird mit der Aufklärung des politisch brisanten Falles beauftragt und folgt einer Spur in den hohen Norden. Dort muss er sich der Vergangenheit stellen - der eigenen und der einer ganzen Nation: Schottland.
Bastei Lübbe Verlag, ISBN 3-404-14590-9
Inhaltsangabe: Schwert und Krone
Michael Phillips

Schwert und Krone
Fortsetzung der großen Schottlandsaga
War Andrew Trentham plötzlich in ein Zeitloch geraten? Als er den Hügel in den schottischen Highlands überschreitet, glaubt er sich jedenfalls unmittelbar in die Vergangenheit versetzt. Ein kleines Dorf erwartet ihn, Männer in Kilts und Tartans, mit Schwertern und Dolchen: Alles wirkt so, als wäre das 21. Jahrhundert nie bis hierher vorgedrungen. Und er selbst wird für einen Krieger aus den Lowlands gehalten. Unversehens gerät er in den uralten Konflikt zwischen Schotten und Engländern, den Kampf um die Königskrone des Landes ...
Bastei Lübbe Verlag, ISBN 3-404-14716-2